Hotline 0761 36122

Unser Schulungsangebot in Orientierung und Mobilität

Warum sollte eine Sehbehinderung Sie daran hindern, Ihren Alltag selbständig und souverän zu meistern und Freude am Leben zu haben?

Selbständig Einkaufen gehen, Verwandte und Freunde besuchen, Freizeitbeschäftigungen nachgehen, einen Spaziergang machen oder größere Entfernungen ohne Begleitung sicher zurücklegen… Das und vieles mehr ist für viele sehbehinderte und blinde Menschen in vielen Fällen nur noch mit großen Anstrengungen und Überwindung verbunden.

Das Sehvermögen kann von den Lichtverhältnissen, der Tageszeit, der seelischen und körperlichen Verfassung des Betroffenen oder der Anstrengung, der das Auge bereits ausgesetzt war, abhängen. Dies kann dazu führen, dass bei Blendung oder in der Dunkelheit Hindernisse nicht mehr rechtzeitig bzw. gar nicht erkannt werden. Größere Zusammenstöße mit Verletzungen als Folge tragen schließlich dazu bei, dass sich Betroffene ohne Begleitung gar nicht mehr aus dem Haus trauen. Vieles bleibt liegen, Kontakte zu Freunden und Angehörigen schlafen ein.

Warum sollte man nicht einmal wieder in Ruhe durch die Innenstadt bummeln, ohne Angst vor Stufen oder Kanten zu haben? Konzentrieren Sie sich auf die schönen Dinge in der Umgebung und ertasten Sie mit dem weißen Langstock den Weg an Unebenheiten oder Hindernissen vorbei. Ein Konzert am Abend besuchen, ohne Angst vor dem Ausgehen im Dunkeln haben zu müssen oder ganz alleine und ohne sehende Begleitung wieder zur Post, zum Bäcker oder zum Einkaufen gehen zu können? Eine Schulung in Orientierung und Mobilität (O&M) öffnet neue Möglichkeiten und Wege, die eigene Mobilität und Unabhängigkeit zurückzugewinnen.

Warum fällt es vielen Betroffenen schwer, sich für den Gebrauch des weißen Langstocks zu entscheiden?

Sehbehinderte Menschen haben häufig mit Vorurteilen zu kämpfen. Viele Menschen ahnen nicht, dass es viele Sehbeeinträchtigungen gibt, die nicht durch eine Brille korrigiert werden können. Sie können oft nicht verstehen, dass Betroffene etwas nicht sehen können, dafür aber an anderen Stellen scheinbar keine Hilfe benötigen. Ein Phänomen, das oft Unverständnis hervorruft, betrifft auch Betroffene mit eingeengtem Gesichtsfeld (sog. Tunnelblick). Sie können sich kaum fortbewegen und sind auf Hilfe angewiesen, können jedoch die Zeitung lesen. Eine weit verbreitete Ansicht ist auch, dass der weiße Langstock nur von blinden Menschen benutzt wird und sehbehinderte Menschen so etwas nicht brauchen.

Eine Sehbehinderung ist für andere Menschen oft nur schwer oder gar nicht erkennbar. Oft befürchten Betroffene, dass sie mit der Nutzung eines Langstocks ihre Beeinträchtigung sichtbar machen würden und als Folge neugierige, unangenehme oder verletzende Kommentare vonseiten ihrer Mitmenschen zu erwarten sind. Auch sind sie oft überzeugt, dass ihr Leben nicht mehr lebenswert ist, wenn sie den weißen Langstock in die Hand nehmen müssen.

Als Folge werden komplizierte Wege und Situationen so lange gemieden, bis der Bewegungsradius auf wenige gut bekannte Wege schrumpft oder diese nur in Begleitung bewältigt werden.

Wenn aufgrund der zunehmenden Einschränkung der Lebensqualität das Verstecken der Sehbeeinträchtigung endlich ein Ende findet und das Eingeständnis kommt: „Entweder ich unternehme jetzt etwas oder ich komme ohne Hilfe nicht mehr aus dem Haus“, kann eine Mobilitätsschulung und die Benutzung des weißen Langstocks das Leben in vielerlei Hinsicht erleichtern.

Unser Anliegen

Mit unserem qualifizierten Schulungsangebot möchten wir Betroffene motivieren, die Erfahrung des Fortbewegens mit dem weißen Langstock zu machen, um ihre Mobilität zu erweitern und mehr Unabhängigkeit, Lebensfreude und Selbstbewusstsein im Alltag zu gewinnen. Es kann sehr bereichernd und überaus befreiend sein, sich nicht darauf zu beschränken, was nicht mehr geht, sondern zu überlegen, was durch den Einsatz der anderen Sinne möglich wäre und wie alltägliche Abläufe, mit ein wenig Fantasie und Flexibilität auf einer anderen Art und Weise bewerkstelligt werden können.

Der weiße Langstock und die dazugehörige Mobilitätsschulung öffnen die Tür zu mehr Unabhängigkeit, Lebensfreude und Selbstbewusstsein und zeigen den Weg aus der Isolation. Viele Betroffene berichten, dass gute Erfahrungen, ein dickes Fell und die Aussicht, die eigene Lebensqualität selbst gestalten zu können, das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in sich und in die eigenen Ressourcen stärken.

Unser Schulungsangebot

Neben erblindeten profitieren auch hochgradig sehbehinderte Menschen von unserem Angebot, denn in der Mobilitätschulung lernen sie, Ihr verbliebenes Sehvermögen bestmöglich einzusetzen. Statt den Blick nach unten zu fokussieren, um Hindernisse rechtzeitig zu erkennen und ihnen auszuweichen, lernen sie, den Schrittbereich mit dem Langstock abzusichern. Dadurch können die Augen wieder zum Umschauen eingesetzt werden. Der Langstocknutzer bekommt viel mehr von der Umgebung mit und kann sich viel leichter orientieren. Das Ergebnis: ein sichereres und wesentlich entspannteres Gehen und eine leichtere Orientierung.

Zielgruppe

Unser Schulungsangebot richtet sich an hochgradig sehbehinderte und blinde Menschen aller Altersstufen, die ihre Mobilität erhalten bzw. erweitern und im Alltag und Beruf mehr Sicherheit und Unabhängigkeit gewinnen möchten. Betroffene, die eine entsprechende Augendiagnose erhalten haben und erfahren möchten, was auf sie zukommt, können sich gerne ganz unverbindlich über die Schulung informieren.

Hier geht es zum Link mit den Definitionen von Blindheit, Sehbehinderung und hochgradiger Sehbehinderung:
https://www.bsvsb.org/index.php/definition-sehbehindert.html .

Schulungsinhalte

Ein wesentlicher Bestandteil der Mobilitätsschulung ist die Einweisung im Gebrauch des weißen Langstocks. Nach dem Erlernen der Langstocktechniken wird der sichere Umgang mit Hindernissen und Treppenstufen, das Verhalten im Straßenverkehr, die Benutzung von ÖPNV sowie das Fortbewegen in Dunkelheit und Dämmerung, erlernt. Darüber hinaus werden ganz nach Bedarf des Schulungsteilnehmers konkrete Wege wie zum Arzt, zu Behörden, zum Arbeitsplatz oder zum Einkaufen, erarbeitet. Die Schulung findet immer im Einzelunterricht statt. Ergänzend werden verschiedene Hilfsmittel erprobt und eingesetzt. So wird unter anderem getestet, ob es durch den Einsatz von Sehhilfen möglich ist, Straßenschilder, Hausnummern oder Anzeigetafeln noch selbst zu lesen oder Ampellichter zu erkennen. Auch die Bedienung von Navigationshilfen wie z. B. ein Smartphone mit entsprechenden Apps, wird erprobt.

Schulungsort, Ablauf, Dauer und Umfang werden ganz auf die persönlichen Bedürfnisse des Schulungsteilnehmers angepasst. Abhängig vom persönlichem Bedarf, Altersstufe, Sehvermögen, individuellen Fähigkeiten und Beeinträchtigungen, beträgt der Umfang einer Schulung zwischen 20 und mehr aufeinanderfolgenden Unterrichtsstunden. Die Unterrichtslänge beträgt in der Regel 90 Minuten pro Termin. In der Schulung werden die übrigen Sinne (Hören, Tasten, Riechen) sowie Strategien zum Finden eigener Lösungen geschult.

Darüber hinaus …

Der Nutzer eines weißen Langstocks ist für andere Verkehrsteilnehmer erkennbar und erlebt auf einmal, dass Passanten Rücksicht nehmen und aus dem Weg gehen, ihre Hunde an die Leine nehmen und in schwierigen Situationen sogar sehr hilfsbereit sein können, z. B. wenn Hilfe bei der Überquerung einer komplizierten Kreuzung oder verkehrsreichen Fahrbahn benötigt wird.

Durch die neugewonnene Unabhängigkeit und das selbständigere Auftreten werden Betroffene nicht länger auf Ihre Sehbeeinträchtigung reduziert. Ganz im Gegenteil, sie machen die Erfahrung, dass ihre Fähigkeiten, trotz schwerwiegender Beeinträchtigung ihren Alltag eigenständig zu meistern, geachtet und anerkannt werden.

Kosten

Die Schulungskosten werden auf Antrag und ärztlicher Verordnung durch die Krankenkassen übernommen. Neben der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherung kommen auch die gesetzliche Renten- und Unfallversicherung, die Agentur für Arbeit, die Berufsgenossenschaften oder das Sozialamt als Kostenträger in Betracht.

Kontaktaufnahme

Die Schulungen werden von unserer Fachkraft der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation, Janine Aleksov, durchgeführt. Zur Ermittlung des konkreten Schulungsbedarfs führt Frau Aleksov vorab ein persönliches Gespräch mit Ihnen.

Sie erreichen uns

  • persönlich unter der Telefonnummer: 0761 36122

     montags bis donnerstags von 9:00-13:00 und von 14:00-16:30 Uhr

     freitags von 9:00-13:00 Uhr

Hier geht es zum Download unserer Broschüre
„Schulungen in Orientierung und Mobilität (O&M) – Machen Sie jetzt den ersten Schritt“:
https://www.bsvsb.org/index.php/downloads-124.html?file=files/cto_layout/Download/Broschueren/O%26M_Flyer2017.pdf 

Gerne senden wir Ihnen unsere Broschüre auch in gedruckter Form.

Wir freuen uns auf Sie!