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Schulungsangebot in Orientierung und Mobilität und lebenspraktischen Fähigkeiten

Der BSV Südbaden e.V. hat zum 01.04.2010 ein neues Projekt geschaffen. Mit der Einstellung einer Fachkraft für Rehabilitation für blinde und sehbehinderte Menschen können wir in den folgenden fünf Bereichen Unterrichtsmaßnahmen anbieten:

  1. Orientierung und Mobilität (Trotz Blindheit / Sehbehinderung selbständig im Straßenverkehr);
  2. Lebenspraktische Fähigkeiten (selbständige Haushaltsführung);
  3. Vermittlung von Blindenschrift und
  4. Gutachterliche Stellungnahmen für Barrierefreie Umwelt- und Verkehrsraumgestaltung.
  5. Begutachtung einer sehbehindertengerechten Einrichtung des Arbeitsplatzes.

Mit den ersten drei Punkten wenden wir uns direkt an blinde und sehbehinderte Personen, wie auch an potenzielle Kostenträger von Maßnahmen der medizinischen und beruflichen Rehabilitation. Das selbständige Bewegen auf Straßen und Plätzen, eine selbständige Haushaltsführung und die Fähigkeit, selbständig lesen und schreiben zu können, zählen wir zu den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen.

Besonders bei Personen mit Seheinschränkung, bzw. ohne Sehvermögen sind diese elementaren Funktionen die wichtigsten Grundsätze für eine Lebensqualität, die ein selbst bestimmtes Leben in der Gesellschaft möglich machen.

Zum vierten Arbeitsgebiet ist folgendes hinzuzufügen: Wir bieten nunmehr den Kommunen und Landkreisen eine direkte, den DIN-Vorschriften entsprechende Hilfestellung bei der Gestaltung des öffentlichen Verkehrsraumes an, welche im Einzelfall direkt mit uns gemeinsam erarbeitet wird. Insbesondere für Mitarbeiter der Baubehörden entsteht hier eine geeignete Möglichkeit zur Planung, bzw. zum Umbau von bereits bestehenden Verkehrsanlagen.

Die Begutachtung einer sehbehindertengerechten Ausstattung am Arbeitsplatz dreht sich um die richtige Ausleuchtung, um eine kontrastreiche Gestaltung und um weitere Detailmerkmale an einem Arbeitsplatz für einen sehbehinderten Arbeitnehmer. Diese Begutachtung richtet sich einerseits an die Arbeitnehmer selbst, andererseits soll hier gemeinsam mit den Vorgesetzten Mitarbeitern das Ziel verfolgt werden, die Arbeitssituation so weit zu optimieren, dass trotz der eingeschränkten Sehkraft der Arbeitsrhythmus beibehalten wird.

10 wichtige Fragen und Antworten

  1. Was ist überhaupt eine Mobilitätsschulung?

    In einer Mobilitätsschulung (auch: Schulung in Orientierung und Mobilität/Mobitraining/O&M-Training) werden Strategien und Techniken vermittelt, mit deren Hilfe alle Wege des täglichen Lebens sicher, selbständig und effektiv bewältigt werden können. Neben dem Gebrauch des Langstocks wird der Einsatz des verbliebenen Sehvermögens geschult, sowie ggf. die Anwendung weiterer Hilfsmittel, wie zum Beispiel Monokular, Lupe oder Kompass.

  2. Wer darf eine Mobilitätsschulung beantragen?

    Eine Mobilitätsschulung kann jeder beantragen, dessen Mobilität aufgrund einer Sehschädigung so eingeschränkt ist, dass Sicherheit und Selbständigkeit nicht mehr gewährleistet sind. Das Lebensalter spielt dabei fast keine Rolle. Mobilitätsschulungen werden mit Kindern genau so erfolgreich durchgeführt, wie mit Erwachsenen und Senioren.

  3. Wie lang ist eine Mobilitätsschulung und wie läuft sie ab?

    Abhängig von verschiedenen Faktoren (Bedarf, Alter, Vorerfahrungen, verbliebenes Sehvermögen, zusätzliche Beeinträchtigungen) beträgt die typische Länge einer Mobilitätsschulung zwischen 20 und 80 Unterrichtsstunden. Nach dem Erlernen der Stocktechnik können wichtige Themen bearbeitet werden, z.B.: Verhalten im Straßenverkehr, Umgang mit Hindernissen, Benutzung von Bus und Bahn, Mobilität im Dunkeln, Orientierung im Supermarkt, sicherer Umgang mit Kanten und Treppen.

    Außerdem können konkrete Wege eingeübt werden: zum Arzt, zu Behörden, zum Einkaufen, zum Arbeitsplatz usw. Der Unterricht findet immer rund um den Wohnort des Betroffenen statt, d.h., der Lehrer kommt zum Schulungsteilnehmer und nicht umgekehrt. Es handelt sich um Einzelunterricht, die Unterrichtslänge beträgt in der Regel 90 Minuten pro Termin.

  4. Wann sollte über eine Mobilitätsschulung nachgedacht werden?

    Häufig ist Betroffenen schon seit längerem bewusst, dass sie eigentlich etwas unternehmen müssten, um die eigene Sicherheit und Selbständigkeit nicht weiter zu gefährden. Zur Selbstprüfung kann man sich zwei Fragen stellen:

    1. Ist die Sicherheit subjektiv oder objektiv gefährdet?
      Beispiel: Besteht Angst vor Treppen oder ist es auf einer Treppe aufgrund der Sehbeeinträchtigung bereits zu Zwischenfällen (Stolpern, Stürzen) gekommen?
    2. Werden Aktivitäten vermieden, denen früher gern nachgegangen wurde?
      Beispiel: Wurde der wöchentliche Kaffeetreff aus dem Terminkalender gestrichen, weil der Weg dahin mit zuviel Stress verbunden ist?

  5. Wann sollte DRINGEND über eine Mobilitätsschulung nachgedacht werden?

    Diese Probleme können bei Sehbehinderung auftreten:

    • Unsicherheit bei Treppen
    • Unsicherheit bei Menschenmengen
    • Unsicherheit bei Dämmerung und im Dunkeln
    • Stolpern an Bordsteinen oder Kanten
    • Angst, allein die Wohnung zu verlassen
    • Angst, Straßen zu überqueren
    • An Ampeln können die Lichtsignale nicht erkannt werden
    • Regelmäßige Zusammenstöße mit Menschen
    • Regelmäßige Zusammenstöße mit Gegenständen
    • Probleme bei Helligkeit/Blendung
    • Alte Bekannte werden nicht mehr erkannt und begrüßt
    • Es wird vermieden, Bus und Bahn zu benutzen
    • Freizeitaktivitäten, die früher selbstverständlich waren, werden unterlassen
    • Für die Mobilität ist nahezu immer die Hilfe anderer nötig
    • Wege, die früher keine Probleme bereitet haben, sind heute mit großen Anstrengungen verbunden

    Wenn eines oder mehrere dieser Probleme zutrifft, sollte ernsthaft über eine Mobilitätsschulung nachgedacht werden!

  6. Wie und wo wird eine Mobilitätsschulung beantragt?

    In den allermeisten Fällen handelt es sich bei einer Mobilitätsschulung um eine Krankenkassenleistung. Zur Beantragung werden drei Dinge benötigt:

    • Ein augenärztliches Rezept oder Attest für eine Mobilitätsschulung
    • Ein augenärztliches Rezept für zwei Blindenlangstöcke (ohne genaue Bezeichnung)
    • Ein Kostenvoranschlag des Mobilitätslehrers

    Die Rezepte und der Kostenvoranschlag werden bei der Krankenkasse eingereicht und eine Schulung beantragt. Schulung und Langstöcke können auch auf einem gemeinsamen Rezept verschrieben werden.
    Als Kostenträger kommen u.a. außerdem in Frage: die Agentur für Arbeit, die Rentenversicherungsanstalt, die Berufsgenossenschaften oder das Sozialamt.

    Tipp: Bei kleineren Krankenkassen kann es gut sein, dass die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter in Ihrem Fall zum ersten Mal mit einer Mobilitätsschulung zu tun haben und nicht so recht wissen, was zu tun ist. Treten in solchen Fällen Missverständnisse oder Probleme auf, liegt dies erfahrungsgemäß nicht an der mangelnden Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter. Hier empfiehlt sich ein sachlicher Umgang, gern auch mit Hilfe des Mobilitätslehrers.

  7. Was kostet eine Mobilitätsschulung?

    Eine Mobilitätsschulung ist für den Betroffenen kostenlos. Da es sich in aller Regel um eine Krankenkassenleistung handelt, fällt höchstens die Zuzahlung von 10 Euro an. Auch die anderen möglichen Kostenträger (s.o.) verlangen keine finanzielle Beteiligung.

  8. Wie funktioniert eigentlich ein Langstock?

    Der Langstock (auch: Blindenstock, weißer Stock, Blindenlangstock) ist das wichtigste Hilfsmittel für die Mobilität blinder und sehbehinderter Menschen. Seine Länge ist abhängig von der Körpergröße und der Schrittlänge des jeweiligen Benutzers. An seinem Ende befindet sich eine drehbare Spitze, mit deren Hilfe der Weg abgetastet wird. Mit der richtigen Technik können so alle Hindernisse erkannt werden, die im Schrittbereich liegen. (Hindernisse im Oberkörper- oder Kopfbereich sind zum Glück selten; hier kommt es kaum einmal zu ernsthaften Verletzungen.)

    Bei Menschen mit verbliebenem Sehvermögen „befreit“ der Langstock die Augen. Sie müssen nicht mehr mühsam jeden Schritt auf dem Gehweg sichern, sondern können wieder zum Umhergucken eingesetzt werden. Ein sichereres, effektiveres und wesentlich entspannteres Gehen ist die Folge.

  9. Muss vor Beginn der Mobilitätsschulung ein Langstock besorgt werden?

    Nein! Die Wahl des richtigen Langstocks sollte möglichst in Absprache mit dem Mobilitätslehrer erfolgen. Denn Stock ist nicht gleich Stock und das Ziel ist, jeden Schulungsteilnehmer mit dem gerade richtigen Langstock zu versorgen. Daher sollte auch während der Schulung die Möglichkeit bestehen, verschiedene Fabrikate auszuprobieren.

    Tipp: In akuten Fällen kann mit einem Leihstock zumindest der Kennzeichnungspflicht nachgekommen werden, ohne dass dafür ein Stock extra angeschafft werden muss. Bei Bedarf kontaktieren Sie uns gerne!

  10. Muss sich ein sehbehinderter oder blinder Mensch besonders kennzeichnen?

    Ja! Für hochgradig sehbehinderte oder gesetzlich blinde Menschen besteht eine Kennzeichnungspflicht (festgelegt in Paragraph 2 der Fahrerlaubnisverordnung).

    Als hochgradig sehbehindert gilt z.B., wer auf dem besseren Auge auch mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 5% dessen sieht, was ein normalsichtiger Mensch sieht. Als gesetzlich blind gilt z.B., wer im Vergleich zu einem normalsichtigen Menschen nicht mehr als 2% sieht.

    Es gibt vier Möglichkeiten, der Kennzeichnungspflicht nachzukommen:

    • Durch das Tragen zweier gelber Armbinden mit drei schwarzen Punkten
    • Durch das Führen eines ausgebildeten Blindenführhundes im weißen Führgeschirr
    • Durch das Führen eines weißen Stocks
    • Durch die Begleitung durch eine normalsichtige Person

    Wichtig: Das Tragen einer Plakette oder eines Ansteckers, auf dem drei schwarze Punkte oder ein Mensch mit Stock zu sehen sind („internationales Blindenzeichen“), reicht nicht aus!

    Wird der Kennzeichnungspflicht nicht nachgekommen und der kennzeichnungspflichtige Betroffene wird in einen Unfall verwickelt, können, unabhängig von der Schuldfrage, juristische und versicherungstechnische Konsequenzen eintreten.

Für Berufsgruppen, die mit blinden und sehbehinderten Personen arbeiten oder als Vertreter der Kostenträger an Informationen zum Thema interessiert sind, erscheint 2-monatig der MOB-Newsletter.
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