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Blindenware und Haustürgeschäfte

Liebe Leserinnen und Leser,

Logomanch einer von Ihnen wurde gerade in letzter Zeit an seiner Haustür von einem Warenvertreter aufgefordert, Bürsten, Pinsel, Handtücher oder Kerzen zu kaufen, die von einer Blindenwerkstätte produziert worden sind. Auch wurde in den vergangenen Monaten vermehrt um Geld gebettelt, das angeblich für das Blindenheim Freiburg oder den Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden e.V. verwendet wird. Auch werden sehr häufig Telefonwerbungen im Auftrag einer angeblichen Blindenwerkstätte gemacht, in denen Blindenware angeboten wird.

Wir als Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden e.V. möchten in diesem Zeitungsartikel einmal grundlegend aufzählen, wie Sie es unterscheiden können, ob der Vertreter an der Haustür wirklich von einer Blindenwerkstätte entsendet wird oder ob sich hier jemand auf Kosten blinder und sehbehinderter Handwerker selbst bereichern will.

Was müssen Sie beachten?

  1. Generell gilt (auch bei einem Vertreter einer Blindenwerkstätte): Vorsicht bei Haustürgeschäften! Lassen Sie sich nicht auf ein direktes Geschäft ein. Lassen Sie sich von dem Vertreter einen Warenkatalog geben. Später können Sie dann in Ruhe den Katalog durchlesen. Keine direkten Geschäfte an der Tür!!
  2. Blindenware wird nur über Bestellung verschickt. Ein Vertreter, der direkt eine Bürste oder Wäscheklammern verkaufen möchte, ist ein Betrüger. Auf den Verkauf von Ware - einzig und allein aus dem Katalog - hat sich der Verband anerkannter Blindenwerkstätten Deutschlands festgelegt.
  3. Im Auftrag einer Blindenwerkstätte wird niemals an der Haustür um Geld gebettelt. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden e.V. versendet einmal jährlich, am 15. Oktober, dem bundesweiten "Tag des weißen Stockes" in ausgewählten Städten in Südbaden einen Rundbrief, in dem wir unsere aktuellen Projekte beschreiben und um eine finanzielle Unterstützung bitten.
  4. Der Landesblinden- und Sehbehindertenverband Baden-Württemberg sowie der Badische Blinden und Sehbehindertenverein V.m.K. und auch der Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden e.V. betreiben keine eigenen Werkstätten. Auch das Blindenheim Freiburg betreibt keine eigene Werkstätte. Wenn ein Warenvertreter an Ihrer Tür behauptet, er käme vom Blindenverband, dann stimmt das nicht.
  5. Lassen Sie sich von dem Vertreter in jedem Falle den so genannten Blindenwarenvertriebsausweis an Ihrer Haustür vorzeigen. Der Ausweis muss das oben aufgeführte Symbol beinhalten. Ferner muss die Anschrift des Vertreters und sein voller Vor- und Zuname im Ausweis verzeichnet sein. Zudem muss der Ausweis durch den Verband für das Blindenhandwerk abgestempelt sein. Der Vertreter muss diesen Ausweis immer mit sich führen, wenn er im Auftrag einer anerkannten Blindenwerkstätte unterwegs ist.
  6. Rufen Sie, bevor Sie eine Bestellung durchführen, unter der Telefonnummer an, die auf dem Blindenwarenvertriebsausweis oder im Warenkatalog steht. Nennen Sie dort den Vor- und Zunamen des Ausweisinhabers und erkundigen sich danach, ob diese Person wirklich für die Blindenwerkstätte tätig ist. Auch bei Blindenwerkstätten gelten die üblichen Bestimmungen des Handelsrechtes: Erst ein Angebot einholen, dann die Ware bestellen. Erst nach Eingang einer Rechnung bezahlen ... und natürlich haben Sie auch ein kostenloses Rückgaberecht.
  7. Blindenware ist Handwerksarbeit. Deshalb sind die Produkte teurer, als die Angebote von Discountern. Teuer bedeutet jedoch nicht bodenlos teuer. In der Regel kostet eine Bürste, ein Pinsel oder ein selbst von blinden Menschen gewebtes Handtuch dreimal so viel wie ein Handtuch im Fünferpack bei einem Discounter. Sollten Ihnen die Waren zu überaus hohen Preisen angeboten werden, ist Vorsicht geboten.
  8. Besonders bei telefonischen Werbeanrufen gilt: Derartige, vom Angerufenen nicht ausdrücklich genehmigte Anrufe werden in Deutschland durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb untersagt. Bei Missbrauch oder Zuwiderhandlung ist seit dem 4. August 2009 ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro möglich.

Zusammenfassend gilt: Der Blinden und Sehbehindertenverein aus Ihrer Region Südbaden und das Blindenheim Freiburg haben keine Werkstätten. Wir betreiben keine Haustürgeschäfte und keine Telefonwerbung.

Über die Arbeit des Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden e.V. können Sie sich gerne informieren bei der Beratungs- und Informationsstelle des Vereins in Freiburg unter Telefon: 0761/36122 und im Internet unter: www.bsvsb.org.

Über die Aufgaben und die Arbeit des Blindenheim Freiburg können Sie sich gleichfalls informieren unter Telefon: 0761/20706-0 oder im Internet unter: www.blindenheim-freiburg.de.

Unter www.rehadat-wfbm.de können Sie umfangreiche Informationen zu allen anerkannten Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) und Blindenwerkstätten in Deutschland abrufen. Dort können Sie sich zum Beispiel einen Überblick verschaffen, welche Auftragsarbeiten, Dienstleistungen und Produkte die jeweilige Werkstatt anbietet.

Wir danken Ihnen für Ihre Solidarität mit unserem Personenkreis und für Ihre Aufmerksamkeit.

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