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Augenerkrankungen

Nachfolgend geben wir Ihnen einen Überblick über die häufigsten Augenerkrankungen in Mitteleuropa. Für diese Augenerkrankungen bieten wir eine individuelle Beratung an. Diese erstreckt sich auf

  • die spezifische Hilfsmittelversorgung und
  • die daraus entstehenden sozialrechtlichen Belange,
  • den Umgang mit lebenspraktischen Fähigkeiten sowie
  • die psychische Bewältigung der Erkrankung.

Durch derartige Beratungsgespräche möchten wir versuchen, die durch diese Krankheiten aufgetretenen Ausfälle zu kompensieren und den Betroffenen wieder zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.

Für die nachfolgenden Angaben und insbesondere für die dargestellten Empfehlungen übernehmen wir keinerlei Gewährleistung. Des weiteren übernehmen wir keinerlei Haftung für eventuelle Folgeschäden, die aufgrund von Behandlungen anhand der nachfolgenden Empfehlungen entstehen könnten.

Diabetische Retinopathie

Allgemeines:

Die Diabetische Retinopathie ist eine Folgekrankheit des Diabetes mellitus, der so genannten Zuckerkrankheit, die auf eine Funktionsstörung der Bauchspeicheldrüse zurückzuführen ist. Die Diabetische Retinopathie entwickelt sich in der Regel sehr langsam. Bei Jugendlichen, die an der Zuckerkrankheit leiden, entwickelt sich die Retinopathie dagegen schnell. In Deutschland leiden über 1 Million Diabetiker an einer diabetischen Retinopathie. Eine frühe Diagnose und ein rechtzeitiger Behandlungsbeginn sind für den Erhalt des Augenlichts sehr wichtig, da durch die Behandlungen mit Laser oder Operation meist nur ein Stoppen des Krankheitsverlaufs, aber leider keine Besserung erzielt werden kann.

Symptome:

Lange Zeit ist der Verlauf dieser Krankheit symptomlos. Erst im fortgeschrittenen Stadium wird das Sehvermögen stark eingeschränkt. Es gibt zwei Formen der Diabetischen Retinopathie, die beide auf einen gestörten Stoffwechsel zurückzuführen sind: die einfache (nicht-proliferative) und die fortgeschrittene (proliferative) Retinopathie. Die einfache Retinopathie äußert sich in kleinen, herdförmig auftretenden Gefäßveränderungen, kleinen Blutungen in der Netzhaut und vermehrter Ablagerung von Fettsubstanzen. Bei der fortgeschrittenen Retinopathie kommt es zur Bildung neuer Blutgefäße, die in das Auge hineinwachsen. Diese Blutgefäße sind die Ursache für schwere Blutungen des Augeninneren. Wenn die Blutungen nicht gestoppt werden, kommt es zu Verlusten des Sehens und im schlimmsten Fall zu einer Erblindung. Zudem kann es durch das Einwachsen von Gefäßen und Bindegewebe in den Glaskörper zu einer Netzhautablösung kommen, die ebenfalls das Sehvermögen zerstören kann.

Ursachen:

Der wichtigste auslösende Faktor ist die dauerhafte Erhöhung des Blutzuckerspiegels, der die Gefäßwände schädigt. Bei der Diabetischen Retinopathie erkranken als Folge der Stoffwechselstörung die Gefäße in der Netzhaut (Retina), die zur Lichtwahrnehmung dient. Sinneszellen in der Netzhaut nehmen Lichtreize auf, die von außen das Auge treffen und leiten sie an das Gehirn weiter, wo sie zu einem wahrnehmbaren Bild verarbeitet werden. Für die Ernährung der Netzhaut sorgen Gefäße. Wenn die Netzhaut erkrankt, geht ein Teil der Gefäße zugrunde, andere werden für Blutbestandteile und Blut durchlässig. Dazu kommt es zu immer wiederkehrenden Blutungen und schließlich auch zu Gefäßwucherungen.

Maßnahmen / Therapie:

Eine Heilung ist nach dem derzeitigen Stand noch nicht möglich. Es gibt Behandlungsmaßnahmen, die eine Besserung der Gefäßschäden oder zumindest den Stillstand der Erkrankung bewirken. Allgemein gilt auch hier: Je früher die Netzhauterkrankung erkannt wird, desto besser sind die Erfolgsaussichten einer Behandlung. Der Patient selbst kann zu einem günstigen Verlauf der Erkrankung beitragen, indem er sein Gewicht ständig kontrolliert, auf Nikotin und übermäßigen Alkoholgenuss verzichtet sowie Diätempfehlungen einhält. Außerdem sollte in Absprache mit dem Hausarzt eine ständige Blutdruckkontrolle und ggf. -therapie erfolgen und die Blutzuckerwerte sollten exakt eingestellt sein.

Wenn Veränderungen des Augenhintergrundes festgestellt worden sind, kann in vielen Fällen eine Laser-Behandlung die Verschlechterung der Sehleistung verlangsamen oder zum Stillstand bringen. Bei der Lasertherapie wird die Bildung weiterer Gefäßveränderungen unterdrückt, indem gezielte Lichtstrahlen auf die Netzhaut treffen und so krankhafte Blutgefäßwucherungen vermindert werden. Diabetiker sollten einmal im Jahr zum Augenarzt gehen, um den Augenhintergrund untersuchen zu lassen. Wenn die Diabetische Retinopathie diagnostiziert wurde, sollte die Untersuchung in kürzeren Zeitabständen wiederholt werden.

Altersabhängige Makuladegeneration (AMD)

Allgemeines:

Die Altersabhängige Makuladegeneration ist eine Augenerkrankung, bei der es zum Verlust der zentralen Sehschärfe kommen kann. Die Makula, auch "gelber Fleck" genannt, ist die lateinische Bezeichnung für die Netzhautmitte, der nur 2 mm2 großen Stelle des schärfsten Sehens. Hier liegt die Mehrzahl der empfindlichsten Sinneszellen des Auges: die so genannten Zapfen, durch die es möglich ist, Farben und scharfe Bilder wahrzunehmen. Durch Einwirkung des Lichts werden die lichtempfindlichen Teile der Zapfen ständig verbraucht, abgestoßen, zerlegt und abtransportiert, während neue Membranscheibchen nachwachsen. Dieser normale Stoffwechselprozess ist mit zunehmendem Alter gestört und kann zur AMD führen. Es wird angenommen, dass das Auge mit zunehmendem Alter mit dem Entsorgen der Abfallprodukte in der Makula nicht mehr fertig wird. Es entstehen Ablagerungen unter der Netzhaut. Dadurch kommt es zu Gefäßeinsprossungen und zum Absterben der Sinneszellen in der Makula, was einen Verlust der zentralen Sehschärfe zur Folge hat. Das Umfeldsehen bleibt allerdings intakt, so dass der Betroffene das Orientierungsvermögen behält und z. B. Lesen mit einer Lupe noch möglich ist.

Die Krankheit tritt mit zunehmendem Alter vermehrt auf. Sie ist die häufigste Ursache für eine schwere Sehbehinderung bei Menschen über 50 Jahren und betrifft ca. 30 % der 75-85 jährigen. Ca. 2 Millionen Menschen in Deutschland leiden an der AMD. Mit der Alterung der Gesellschaft steigt Jahr für Jahr die absolute Zahl der Erkrankten an.

Menschen mit hellen Augen erkranken eher an AMD als Menschen mit dunkler-pigmentierten Augen. Letztere enthalten eine größere Menge des Farbstoffs Melanin, der das schädigende UV-Licht absorbiert. Weiterhin bringen Faktoren wie Bluthochdruck, Rauchen und das Fehlen bestimmter Betacarotinoide (z.B. Lutein) ein erhöhtes Risiko von AMD mit sich.

Symptome:

Die AMD kann in zwei unterschiedlichen Formen verlaufen: Die trockene AMD, die 80 % der AMD-Erkrankungen betrifft, wird durch Stoffwechsel-Ablagerungen und dadurch absterbende Sehzellen verursacht. Diese Form verläuft langsam. Die ersten Anzeichen bemerkt der Betroffene häufig beim Lesen. Neben einer Unschärfe nehmen die AMD-Betroffenen mitten im Schriftbild verschwommene Flecken oder graue Schatten wahr, die im weiteren Verlauf der Krankheit größer werden können.

Die feuchte Form der AMD (20% der Betroffenen) schreitet meist rascher voran und entsteht durch eine abnorme Gefäßneubildung unter der zentralen Netzhaut. Durch das Austreten von Flüssigkeit aus diesen Gefäßen schwillt die Netzhaut an. Typisches Krankheitszeichen ist ein verbogenes und verzerrtes Bild. Aus der trockenen Form kann sich die feuchte AMD entwickeln. Deshalb ist eine regelmäßige Untersuchung auf AMD ab dem 55. Lebensjahr durch den Augenarzt sehr wichtig. Bei Wellensehen, verzerrtem Sehen oder Sehverschlechterung sollte sofort ein Augenarzt zum Ausschluss einer AMD-Verschlechterung, die eventuell sofort behandelt werden muss, aufgesucht werden.

Maßnahmen / Therapie:

Eine tatsächliche Heilung der AMD ist bis heute noch nicht möglich. Bei einem Teil der Patienten mit feuchter AMD lässt sich durch verschiedene Therapien der Erkrankungsprozess verlangsamen. Die verzerrten Wahrnehmungen der feuchten AMD lassen sich beispielsweise durch Verödung der neu gebildeten Gefäße durch Medikamente oder Lasertherapie beeinflussen.

Das Glaukom (Grüner Star)

Allgemeines:

Das Glaukom ist eine Schädigung des Sehnervs infolge von erhöhtem Augeninnendruck oder Durchblutungsstörungen. In Deutschland sind wissentlich etwa 800.000 Menschen an einem Glaukom erkrankt. Die Dunkelziffer wird noch einmal so hoch vermutet, denn die Krankheit verläuft schleichend und zeigt anfangs keine Symptome. Bei etwa 3 Millionen Menschen wurde ein zu hoher Augeninnendruck bereits diagnostiziert und sie gelten damit als gefährdet. Wird ein Glaukom nicht behandelt, führt es früher oder später zur Erblindung, die nicht mehr gebessert werden kann.

Das Glaukom kann im Prinzip jeden treffen. Ab dem 40. Lebensjahr steigt jedoch das Risiko, an einem Glaukom zu erkranken. Weitere Risikofaktoren sind Glaukomvorkommen in der Familie, eine höhere Kurzsichtigkeit ab minus 5 Dioptrien, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Kortisonbehandlungen und ein erhöhter Augeninnendruck.

Da die Krankheit überwiegend schleichend verläuft und Sehnervschädigungen irreparabel sind, ist eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt ab dem 40. Lebensjahr der beste Schutz vor einer Sehbeeinträchtigung durch das Glaukom. Wenn Glaukomerkrankungen in der Familie vorkommen, sollte der Augenarzt schon vor dem 40. Lebensjahr regelmäßig aufgesucht werden. Neben der Messung des Augeninnendrucks muss dabei auch die Untersuchung des Sehnervs erfolgen. Nur durch diese Kombination kann ein Glaukom ausgeschlossen werden, da bei einer alleinigen Augeninnendruckmessung nur jedes zweite Glaukom erkannt wird. Diese beiden Vorsorgemaßnahmen werden nicht von den Krankenkassen übernommen und kosten 16 - 20 Euro.

Symptome & Ursachen:

Es gibt verschiedene Arten des Glaukoms. Die am häufigsten anzutreffende ist das Offenwinkelglaukom. Es entsteht meist durch eine Abflussstörung des Kammerwassers, das für die Nährstoffversorgung von Hornhaut und Linse zuständig ist. Dies führt zu einem erhöhten Augeninnendruck, der mit der Zeit den Sehnerv schädigen kann.

Nach neueren Erkenntnissen ist aber nicht immer der Augendruck ausschlaggebend. So wird ein Glaukom oftmals nicht erkannt, weil der Augeninnendruck normal ist. Das so genannte Normaldruckglaukom ist eine Form des Offenwinkelglaukoms und liegt bei 30 % der Glaukompatienten vor. Die trotz normalen Augeninnendrucks vorhandene Sehnervschädigung ist auf eine unzureichende Blutversorgung der Nervenfaserzellen zurückzuführen. Meist ist auch der ganze Körper von Durchblutungsstörungen betroffen: Diese Patienten klagen häufig u. a. über kalte Hände und Füße, hohen oder niedrigen Blutdruck, Migräne und Tinnitus (Ohrgeräusche).

Beide Formen des Offenwinkelglaukoms – mit erhöhtem oder normalem Augeninnendruck – haben eines gemeinsam: Es treten in der Anfangsphase keine Symptome auf. Erst später, wenn die Sehnervschädigung weit vorgeschritten ist, kommt es zu Ausfällen im Gesichtsfeld, dem Bereich der Umgebung, den man wahrnimmt, ohne das Auge zu bewegen. Dann ist es jedoch zu spät, denn in diesem Stadium sind die Schäden bereits irreparabel.

Eine weitere, jedoch viel seltenere Form des Glaukoms ist das Angeborene Glaukom bei Neugeborenen und Kleinkindern, welches sich durch auffallend große, „schöne“ Augen, Lichtscheu und ständiges Tränen bemerkbar macht.

Das sekundäre (erworbene) Glaukom tritt als Folge oder Komplikation anderer Augenerkrankungen z. B. Verletzungen, Entzündungen oder Diabetes auf.

Beim akuten Glaukom-Anfall - verursacht durch eine plötzliche Blockade des Kammerwasserabflusses - treten heftige Schmerzen und Rötungen im Auge, Sehverschlechterung (nebelig sehen, farbige Ringe um Lichtquellen) und häufig auch Übelkeit auf.

Maßnahmen / Therapie:

Die durch ein Glaukom verlorene Sehkraft lässt sich nicht zurückbringen. Ein weiteres Fortschreiten der Krankheit und ein weiterer Verlust von Sehvermögen kann jedoch in den meisten Fällen mit Medikamenten, z. B. in Form von Augentropfen, verhindert werden. Je früher die Behandlung einsetzt, desto besser sind die Erfolgsaussichten einer Behandlung. Führen die Medikamente nicht zum gewünschten Erfolg, besteht die Möglichkeit einer Operation oder Laserbehandlung, um den Krankheitsverlauf aufzuhalten.

Retinitis Pigmentosa

Allgemeines:

Retinitis Pigmentosa ist die Bezeichnung für eine Gruppe von erblichen Augenerkrankungen, bei denen es zu einem Absterben der Netzhaut kommt. Die Netzhautzellen sterben dabei schrittweise ab. In der Regel zuerst die Stäbchen, die in der Peripherie der Netzhaut angesiedelt sind. Die Zapfen im Zentrum der Makula bleiben erhalten.

Die Folgen sind Nachtblindheit, eine Verringerung der Sehschärfe und Gesichtsfeldeinschränkungen. Das Gesichtsfeld ist der Bereich, den man gleichzeitig überblicken kann, ohne das Auge oder den Kopf zu bewegen. Das Gesichtsfeld schränkt sich dabei bei den Betroffenen von außen her immer mehr ein, bis nur noch ein kleiner zentraler Sehrest übrig bleibt. Dieser Sehrest wird dann als „Tunnelblick“ oder „Röhrengesichtsfeld“ bezeichnet. Der Betroffene sieht nur noch Gegenstände, die er direkt ansieht. Objekte außerhalb der Blicklinie kann er nicht erkennen. Trotz erhaltener zentraler Sehschärfe ist die selbstständige Orientierung durch die Einschränkung des Gesichtsfeldes nicht mehr möglich. Deshalb kann es vorkommen, dass Betroffene als Simulanten bezeichnet werden. Einerseits nutzen sie den Blindenlangstock zur Orientierung, lesen aber andererseits die Zeitung ohne Brille. Diese Erkrankung kann aber bei schwerem Verlauf auch zur Erblindung führen. Die Retinitis Pigmentosa ist die häufigste Ursache für einen Sehverlust im mittleren Alter. In Deutschland leiden etwa 30.000 bis 40.000 Menschen an der Krankheit, weltweit rund 3 Millionen Menschen. Schätzungsweise jeder 80. Mensch trägt ein „ungünstig“ verändertes RPGen in sich, also eine Erbinformation, die die Entwicklung dieser Netzhauterkrankung bei Gen- Trägern oder seinen Nachkommen in Gang setzen kann.

Symptome:

Diese Erkrankungen sind meist dadurch gekennzeichnet, dass im Jugendalter oder in den mittleren Lebensjahren die Nachtblindheit eintritt. Die ersten Symptome sind ein gestörtes Sehvermögen in der Dämmerung und eine beginnende Einengung und Ausfälle des Gesichtsfeldes, die allerdings am Anfang des Krankheitsverlaufes noch kaum bemerkt werden. Im weiteren Verlauf der Krankheit wird die Gesichtsfeldverengung für den Betroffenen erkennbar, das Farb- und Kontrastsehen verschlechtern sich sowie später auch die Sehschärfe. Das kann bis zur Erblindung führen. Dieser Prozess verläuft schleichend, setzt sich über Jahrzehnte hinweg fort und kann bis zur Erblindung führen.

Ursachen:

Die Retinitis Pigmentosa ist eine erbliche Krankheit, die durch ein verändertes Gen entsteht. Eine Vorbeugung ist nicht möglich. Die wichtigste Methode zur frühen Erkennung dieser Krankheit ist die Elektroretinografie (ERG). Dabei wird das Gesichtsfeld, die Sehschärfe, der Farbsinn und die Dunkelanpassung geprüft, ebenso die Netzhautstromkurve gemessen sowie der Augenhintergrund gespiegelt.

Maßnahmen / Therapie:

Trotz intensiver Forschung ist noch keine Therapie gefunden worden, mit der die Krankheit gestoppt werden kann. Die Betroffenen müssen lernen, mit der Krankheit und den damit verbundenen Seheinschränkungen zu leben.

Netzhautablösung

Allgemeines:

Bei der Netzhautablösung löst sich die lichtempfindliche Schicht der Netzhaut von ihrer ernährenden Schicht, der Aderhaut, ab. An der Stelle der Abhebung werden die Sinneszellen nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt – die Zellen sterben ab. Es kommt zu einer erheblichen Sehverschlechterung. Erfolgt keine schnelle Behandlung, führt die Netzhautablösung zur Erblindung. In Deutschland erleiden jährlich etwa 8.000 Menschen eine Netzhautablösung. Besonders betroffen sind hochgradig kurzsichtige Personen ab 6 Dioptrien und Menschen zwischen 50 und 70 Jahren. Ab dem 40. Lebensjahr sollte daher jeder einmal im Jahr seinen Augenhintergrund untersuchen lassen. Viel früher sollte dies bei einer vorhandenen Diabeteserkrankung, hoher Kurzsichtigkeit oder nach einer Operation des Grauen Stars erfolgen.

Symptome:

Erste Anzeichen einer Netzhautablösung sind Lichtblitze am Rand des Gesichtsfeldes, die auch bei geschlossenen Augen auftreten. Später sehen die Betroffenen „Rußflocken“ oder „Schwärme von schwarzen Mücken“. Dies alles sind Symptome, die auf Blutungen im Glaskörper zurückzuführen sind. Wenn die Netzhautablösung fortschreitet, haben Betroffene den Eindruck, dass ein „schwarzer Vorhang fällt“ oder eine „schwarze Wand aufsteigt“. Die Sehfähigkeit verschlechtert sich immer mehr. Ist schließlich das Zentrum der Netzhaut betroffen, kann nur noch zwischen hell und dunkel unterschieden werden.

Ursachen:

Je nach Ursache gibt es verschiedene Formen der Netzhautablösung:

Bei der rissbedingten Netzhautablösung, der häufigsten Form, reißt die Netzhaut infolge akuter Glaskörperabhebung ein. Dieses Abheben ist auf das Schrumpfen des Glaskörpers zurückzuführen, das bei vielen Menschen in hohem Alter auftritt und normalerweise unbedenklich ist. Bei einer akuten Abhebung kann es jedoch sein, dass die Netzhaut dabei einreißt. Auch durch eine Prellung (z.B. durch einen Schneeball) und eine dadurch verursachte Verformung des Glaskörpers kann sich die Netzhaut lösen. Bei beiden Ursachen dringt Flüssigkeit durch das entstandene Loch und hebt die Netzhaut ab. Löst sich der Glaskörper nicht vollständig ab, können durch die Netzhautrisse faltige Verwachsungen entstehen, durch die sich die Netzhaut abtrennt.

Eine Ablösung der Netzhaut kann auch flüssigkeitsbedingt sein. Durch andere Netzhauterkrankungen wie die Diabetische Retinopathie oder die Altersbedingte Makuladegeneration sowie Infektionen gelangen Eiweiße, Fette und Wasser in die Netzhaut und lagern sich ab.

Auch ein Augentumor kann zu einer Abhebung der Netzhaut führen. Dabei verdrängt der Tumor die Netzhaut direkt oder durch Flüssigkeitsabsonderungen.

Maßnahmen / Therapie:

Die wichtigste Maßnahme ist die zeitige Laserbehandlung, wenn sich ein Loch in der Netzhaut gebildet hat, aber es noch nicht zu einer Netzhautablösung gekommen ist. Deswegen sollte man bei Auftreten von Lichtblitzen, vielen schwarzen Punkten (Mouches volantes) oder Blutschwaden sofort einen Augenarzt aufsuchen, damit dieser nach Weittropfen der Pupille ein Netzhautloch ausschließen oder finden und dann sofort lasern kann. Das gleiche gilt bei schweren Augenverletzungen.

Eine vorhandene Netzhautablösung ist nur operativ behandelbar. Bei sehr schweren Fällen muss der Glaskörper entfernt und durch Silikonöl oder Kochsalzlösung ersetzt werden. Die rissbedingte Netzhautablösung ist zu 95 % heilbar. Andere Formen sind trotz Operation meist mit einer dauerhaften Sehverschlechterung verbunden.

Grauer Star (Katarakt)

Allgemeines:

Der Graue Star ist eine Trübung der ursprünglich klaren Augenlinse. Durch die Trübung streuen sich die einfallenden Lichtstrahlen, d. h. sie werden kaum mehr durchgelassen und nur wenige erreichen die Netzhaut. Es kommt zu einer verminderten Sehleistung. Der graue Star kann leicht durch eine Operation behoben werden. In Deutschland werden jährlich 600.000 Menschen operiert.

Symptome:

Menschen, die am Grauen Star erkrankt sind, nehmen ihre Umwelt im Verlauf der Krankheit im steigenden Maße nur noch unscharf, matt, verschleiert und verzerrt wahr. Kontraste werden nicht mehr scharf gesehen, und die Farben verlieren an Leuchtkraft. Auch können diese Menschen bei Sonne stark geblendet sein. Patienten beschreiben ihren Blick auch so, als würde man durch ein Milchglas sehen.

Ursachen:

Meistens ist der Graue Star altersbedingt und tritt häufig erst jenseits des 60. Lebensjahres auf. In der Altersgruppe ab 75 Jahre muss sich jeder zweite Betroffene einer Operation unterziehen. Andere Ursachen können Augenverletzungen, Umwelteinflüsse wie Röntgenstrahlen, Infrarotstrahlen, UV-Strahlen, die längere Einnahme von Medikamenten z. B. Cortison sowie Diabetes mellitus sein. Zudem kann der Graue Star angeboren, d. h. erblich bedingt oder durch eine vorgeburtliche Infektion durch die Mutter, z. B. mit Röteln, Windpocken, Mumps, Kinderlähmung oder ansteckender Hepatitis, entstanden sein.

Maßnahmen / Therapie:

Das Risiko an Grauem Star zu erkranken wird durch jeden ungeschützten Aufenthalt in hellem Sonnenlicht erhöht. Deshalb sollte die Einstrahlung von UV-Licht in die Augen mit Hilfe einer Sonnenbrille vermieden werden.

Eine medikamentöse Therapie des Grauen Stars gibt es nicht. Die einzige Möglichkeit, die Sehkraft wieder zu verbessern, ist die der Operation. Dabei wird die eingetrübte Linse bei örtlicher Betäubung mittels Ultraschall entfernt, eine künstliche Linse in die Hülle der eigenen Linse eingesetzt und so die frühere Sehschärfe hergestellt. Die Risiken sind sehr gering. Wenn der Graue Star angeboren ist, sollte die Operation möglichst schnell nach der Diagnosestellung erfolgen. Denn je früher operiert wird, desto geringer sind die Komplikationen, die auftreten können.

CVI – Zerebrale visuelle Wahrnehmungsstörung

Allgemeines:

Die Sehschärfe ist abhängig von dem Auflösungsvermögen der Netzhaut und der Weiterleitung und Verarbeitung der Seh-Informationen im Gehirn. Bei CVI kann trotz gesunder Augen ein „zerebrales Verschwommensehen“ auftauchen, der sog. „Crowding-Effekt“, der Trennschwierigkeiten beschreibt. Betroffen können neben der Gesichtskennung und dem Aufmerksamkeitsfeld, die Bewegungswahrnehmung, der Größenvergleich, die Form- und Farbwahrnehmung, das visuelle Ausfiltern, das visuelle Gedächtnis und Explorieren und die räumliche Orientierung von Objekten sein.

Symptome:

Einige Beispiele:

  • Gegenstände werden erst erkannt, wenn sie ergriffen werden,
  • Gegenstände können nur dann erkannt werden, wenn sie einen großen Abstand zueinander haben,
  • Buchstaben verschwimmen, verschieben sich ineinander,
  • ein Gegenstand verschwindet, wenn er sich bewegt und wird wieder sichtbar, wenn er unbewegt ist oder
  • ➢ wird erst in Bewegung wahrgenommen (Bewegung des Gegenstandes oder des Betrachters),
  • fehlendes oder mangelhaftes visuelles Gedächtnis (keine inneren Bilder oder Pläne/Karten),
  • keine Gesichtserkennung (kein Wieder-Erkennen bevor das Gegenüber spricht),
  • fehlende Interpretation von Gesichtsausdrücken.

Die Abgrenzung zu Lernstörungen (Bsp. Legasthenie) oder auffälligem Lernverhalten (Bsp. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrome ADS und ADHS) von Kindern und Jugendlichen, sowie diverser Gedächtnisstörungen (Bsp. Alzheimer) und verändertem Verhalten bei Erwachsenen (z. B. nach Schlaganfall oder Unfall) ist hier wichtig.

Ursachen:

Die Ursachen liegen in einer Schädigung im Verlauf der Sehbahnen, die zu einer eingeschränkten Reizweiterleitung im Gehirn führen. Eine Schädigung des Sehnerven und der Sehrinde führt zu Beeinträchtigungen der Sehschärfe (zerebrales Verschwommen-Sehen) und des Kontrastsehens. Schädigungen im ventralen Netzwerk wirken sich auf die Form- und Farbwahrnehmung, die Objektwahrnehmung/-erkennung und die Gesichtswahrnehmung/-erkennung aus. Schädigungen im dorsalen Netzwerk betreffen die Raumwahrnehmung, die Orientierung im Raum/Orientierung der Gegenstände im Raum, das Wahrnehmen von Bewegungen, die Auge-Hand-Koordination und den Umgang mit komplexen visuellen Szenen. Der ventrale Strom betrifft die Wahrnehmung (Was?), der dorsale Strom das Handeln (Wo und Wie?).
Die Ursachen können entwicklungsbedingt sein, Folge unterschiedlicher Krankheiten und raumfordernder Prozesse, wie z. B. nach Schlaganfall oder Schädel/Hirnverletzungen und Tumoren.

Maßnahmen/Therapie:

Neben einer guten Versorgung mit optischen und elektronischen Hilfsmitteln können Rehabilitationsmaßnahmen durch Schulungen in „Orientierung und Mobilität“ und „Lebenspraktische Fähigkeiten“ Blindentechniken vermitteln, die die Alltagsbewältigung erleichtern. Die Schulungen werden von Rehalehrern (Fachkräfte der Blinden- und Sehbehindertenrehabilitation) durchgeführt. Sie geben Hilfen und Anregungen zur Raumgestaltung, der Spiel- und Arbeitsplatzgestaltung. Es geht darum, die Menge an visueller Information zu verringern, Ordnungssysteme und Ordnungshilfen zu nutzen, Orientierungshilfen zu geben.
Für Kinder wurde die Schleswiger Sehkiste entwickelt, die u. a. mit Schablonen arbeitet, die nach dem Prinzip der Reduktion visueller Informationen funktionieren.